Wanderungsbilanz Tirol

Die Wanderungsbilanz verweist auf wirtschaftlich und politisch bedingte Rahmenbedingungen. Gezeigt wird der Saldo der jährlichen Weg- und Zuzüge von und nach Tirol von österreichischen und ausländischen Staatsangehörigen (Gesamtsaldo von Außen- und Binnenwanderung). Der (negative) Saldo von -1.564 Weggezogenen im Jahr 1975 ist vor allem Folge des „Ausländerstopps“, der nach der „Ölkrise“ 1973/74 verhängt wurde.

Arbeitskräftebegehren

Die boomende Wirtschaft von 1954 bis Mitte der 1970er Jahre führte zur Vollbeschäftigung: Es gab mehr offene Stellen als registrierte Arbeitslose. Deshalb wurden in den 1960er Jahren gezielt Arbeitskräfte aus Jugoslawien und der Türkei angeworben. Beginnend mit der sogenannten „Ölkrise“ 1973/74 kam es zu einem langfristig niedrigen Wirtschaftswachstum, wiederkehrenden Rezessionen und damit zum Anstieg der Arbeitslosenzahlen.

Unselbständig Beschäftigte in Tirol

Ausländische Beschäftigte in Tirol

Seit der Jahrtausendwende stagniert die Zuwanderung und Beschäftigung von Drittstaatsangehörigen. Dazu zählen alle Personen, die nicht Bürger der EU sind (z. B. Staatsangehörige von Serbien und der Türkei). Stellte diese Gruppe Ende der 1990er Jahre noch die Mehrheit der ausländischen Beschäftigten in Tirol dar, stehen nun EU-Bürger an der Spitze der Statistik.

Bevölkerung Tirols nach Staatsangehörigkeit

Bevölkerung Tirols nach Bezirken

Einbürgerungen Tirol

Über Jahrzehnte gab es in Tirol eine sehr niedrige Einbürgerungsrate. Bis 1994 wurden jährlich nur etwa 500 Personen eingebürgert. Ab 1995 stiegen die Einbürgerungszahlen jedoch massiv: 2004 erreichten sie mit 3.431 eingebürgerten Personen den Höhepunkt. Das im Jahr 2005 beschlossene Staatsbürgerschaftsgesetz mit verschärften Zugangsbedingungen bewirkte in den Folgejahren einen starken Rückgang.

Einbürgerungen Tirol nach Nationalitäten

Unterschiedliche Faktoren haben Einfluss auf das Einbürgerungsverhalten. In Jugoslawien war der Erwerb einer fremden Staatsbürgerschaft verpönt – eine Einstellung, die sich erst nach dem Zerfall des Staates änderte. Auf den Philippinen hingegen wurde schon ab den 1970er Jahren mit dem balikbayan System die Auswanderung und damit indirekt der Erwerb einer anderen Staatsbürgerschaft gefördert. Einen ähnlichen Effekt hatte die von der Türkei 1995 eingeführte mavi kart. Wie beim balikbayan System bleiben wesentliche Rechte (z. B. Erbrecht, Grunderwerbsrechte, Aufenthaltsrecht) im Herkunftsland erhalten.

Staatsangehörige der ehemaligen Föderativen Sozialistischen Republik Jugoslawien (SFRJ) in Tirol

Medienanalyse: Nationalitäten

Die Verwendung bzw. die Häufigkeit von Begriffen in den Medien gibt Auskunft über Sichtweisen auf politische Ereignisse. Eine Auswertung von migrationsrelevanten Artikeln der Tiroler Tageszeitung zeigt die Häufigkeit der Nennung einer Nationalität. Vor allem stechen die Fluchtereignisse (Ungarn, Tschechoslowakei, Bosnien) hervor. Bemerkenswert aber ist der Vergleich zwischen „Jugoslawien“ und der „Türkei“: Obwohl die Zahl der Staatsangehörigen aus dem ehemaligen Jugoslawien in den 1960er und 1970er Jahren wesentlich höher war, überwiegt die Berichterstattung zur Türkei – ein Hinweis auf stigmatisierende Berichterstattung.

Medienanalyse: Veränderung der Begriffe

Begriffe prägen die Wahrnehmung, wie eine Analyse von Artikeln in der Tiroler Tageszeitung zeigt: Der im nationalsozialistischen Kontext negativ konnotierte Begriff „Fremdarbeiter“ wurde nur 1945/46 und dann erst wieder ab 1960 bis Anfang der ’70er Jahre benützt, danach nur vereinzelt. Ab 1945 wird der neutrale Begriff „Ausländer“ üblich, verstärkt ab Ende der 1980er Jahre. „Gastarbeiter“ ist ab den 1960er bis Anfang der 1990er ein ebenfalls zentraler und häufig genützter Begriff. Von Migranten und Migrantinnen wird neben dem Begriff „AusländerInnen“ ab Mitte der 1990er Jahre gesprochen.